Methode: Familienrat (Family Group Conference)
Der Familienrat ist ein strukturiertes Beteiligungsverfahren, das Familien – im weitesten Sinne – die Verantwortung und Kompetenz zuschreibt, eigene Lösungen für konkrete Anliegen zu entwickeln. Die Methode gliedert sich in drei Phasen: Vorbereitung, Familienratssitzung (mit Informationsphase, Privatzeit, Planpräsentation) und Nachbereitung. Zentrales Element ist die unabhängige Koordination, die den Prozess steuert, aber keine inhaltlichen Lösungen vorgibt.
Ziele und Nutzen: Stärkung der Selbstwirksamkeit; Netzwerkaktivierung; transparente Zusammenarbeit zwischen Familie und Fachkräften; Prävention statt Eskalation; Kindzentrierung.
Ablauf eines familienrats im Überblick:
Vorbereitung – Anliegen- und Sicherheitsklärung (inkl. nicht verhandelbarer Mindestanforderungen aus Kinderschutzsicht), Netzwerkkartierung, Barrierecheck (Sprache, Ort, Uhrzeit, Kinderbetreuung), Einladungen und Briefings, kindgerechte Vorbereitung.
Intake (0–5 Tage nach Kontaktaufnahme): Kurzscreening zu Anliegen, Dringlichkeit, Sicherheit; Termin für Erstgespräch zeitnah vereinbaren.Erstgespräch (Woche 1–2): ausführliche Anliegenklärung, Erwartungen, Datenschutz; Sozialraumanalyse gemeinsam mit der Familie; Entscheidung über Passung des Familienrats.
Vorbereitung (Woche 2–4): Einladungen (persönlich/telefonisch/schriftlich, ggf. mit Dolmetschen); Informationssammlung der Fachkräfte; praktisches Setting (barrierefreier Raum, Kinderbetreuung, Verpflegung, Moderationsmaterial, Technik); kindgerechte Vorbereitung; Sicherheitscheck mit klaren Notfallabläufen.
Familienratssitzung (ca. 2–3 Stunden): Begrüßung & Regeln; Informationsphase (Fachinputs kurz und klar); Privatzeit der Familie ohne Fachkräfte/Koordination zur eigenständigen Planentwicklung; Planpräsentation und Abgleich mit Mindestanforderungen. Einführung, Informationsphase, Privatzeit (45–90 Min.), Planpräsentation; Dokumentation als SMART-Plan (Schritte, Zuständigkeiten, Zeitplan, Indikatoren).
Follow-up (Woche 6–8): Review-Termin (30–60 Min.), Planjustierung, ggf. Kurz-Familienrat. schriftliche Vereinbarung, Monitoring, Plananpassung, Evaluation.
Zugang zu Familien, Zuweisungswege
Selbstanmeldung der Familien (Flyer/Website/Telefon/Walk-in über Nachbarschaftseinrichtungen).
Zuweisung über Fachstellen: Jugendamt (RSD), Frühe Hilfen, Erzieherische Hilfen, Schulsozialarbeit, Kitas, Familienzentren, Familienhebammen, Gesundheitsamt, KJPD.
Soziale Netzwerke: Sportvereine, Nachbarschafts- und Stadtteilzentren, Integrationslots:innen, Migrationsberatungen, Stadtteilmütter
Erreichbarkeit & Ansprache
Es gibt ein Familienratsbüro (Ladenwohnung) in Marienfelde, Hildburghauser Staße 29a, 12279 Berlin
Niedrigschwellige Materialien: mehrsprachige Flyer , Social-Media-Posts der Partner, Aushänge in Kitas/Schulen, ggf. kurze Erklärvideos via QR Code.
Direktansprache: Teilnahme an Elterncafés, Stadtteilfesten, Netzwerktreffen (Mini-Workshops „Was ist ein Familienrat?“)